Wer mit Kolleg*innen spricht, hört oft, wie erfüllend die eigene HNO-Praxis trotz der hohen Arbeitsbelastung medizinisch, menschlich und fachlich sein kann. Aber lohnt sich die eigene HNO-Praxis auch wirtschaftlich? Gefühlt berichten immer mehr Kolleg*innen, dass es wirtschaftlich enger wird. Um diesem Gefühl Zahlen zu geben, haben wir unsere Mitgliedspraxen dazu befragt. Die Ergebnisse sind ein ehrliches Stimmungsbild aus der Praxisrealität. Wir ordnen sie hier ein und ziehen daraus unsere Schlüsse – vor allem mit Blick auf aktuelle politische Entwicklungen und konkrete Perspektiven.
Wie zufrieden sind HNO-Ärzt*innen mit ihrer momentanen Arbeitssituation? Die Antworten aus unserer Befragung fallen gemischt aus. Nur 4 Prozent sagen „sehr gut" und rund 35 Prozent bewerten ihre Situation als „gut". Etwa ein Viertel wählt „befriedigend". Und mehr als ein Viertel der Befragten bewertet die eigene Arbeitssituation sogar als „mangelhaft" oder „ungenügend".

Die Ergebnisse sind ein deutliches Zeichen dafür, dass die Zufriedenheit bröckelt. Ein zentraler Treiber dieser Unzufriedenheit ist der wirtschaftliche Druck.
Die Kostenseite der HNO-Praxis hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert: MFA-Gehälter steigen, Energie und Mieten sind teurer geworden, Geräte und Verbrauchsmaterial kosten mehr. Gleichzeitig hält die Honorarentwicklung nicht Schritt. Die Inflation frisst das Honorarwachstum auf. Wie gehen HNO-Praxen bisher mit dieser Problematik um? Auch hier liefert die Befragung ein klares Bild:

Es wird an allen Stellschrauben gedreht. Über ein Drittel reduziert Leistungen, fast ebenso viele kürzen die Sprechzeiten. Auch Personaleinsparungen und ein Fokus auf Wahlleistungen werden mit jeweils 28 Prozent relativ oft genannt. Rund 30 Prozent geben an, bisher gar nicht zu reagieren – doch die Frage ist, wie lange sich der Druck noch abfedern lässt. Dass 12 Prozent der Kolleg*innen bereits an eine frühere Praxisabgabe denken, ist ein deutliches Warnsignal. Denn jede Praxis, die früher schließt, verschärft den ohnehin wachsenden Leistungsdruck.
Weniger Sprechzeit, reduzierte Leistungen, weniger Personal – das wirkt sich direkt auf die Patientenversorgung aus. Wohl kaum eine HNO-Praxis ergreift diese Maßnahmen gerne. Doch leider gibt es gute Gründe dafür. Wer verstehen will, warum so viele Praxen so handeln, muss die Honorarentwicklung und die aktuelle Gesundheitspolitik unter die Lupe nehmen.
Dass die wirtschaftliche Lage in HNO-Praxen angespannt ist, bestätigen auch die übergeordneten Daten. Laut KBV-Honorarbericht Q4/2024 (S. 31) stieg der Honorarumsatz je Arzt oder Ärztin gegenüber dem Vorjahresquartal um 6,7 Prozent – bei einer Inflationsrate von 2,3 %. Das klingt zunächst nach einer sehr positiven Entwicklung. Ein genauerer Blick zeigt aber, dass die HNO vor allem über mehr Fälle wächst. Die Vergütung je Behandlungsfall stieg laut dem aktuellen KBV-Honorarbericht kaum schneller als die Inflation. Das bedeutet: Mehr Patient*innen, mehr Arbeit, aber keine spürbar bessere Vergütung. Dazu kommt, dass die Vorjahre ein Loch gerissen haben, das sich nicht so schnell schließen lässt. 2023 lag die Inflationsrate bei 5,9 % – das HNO-Honorar wuchs damals nur um 2,0 % je Arzt oder Ärztin. Der reale Verlust aus dieser Phase wirkt nach.
Für 2026 haben sich KBV und GKV-Spitzenverband auf eine Anhebung des Orientierungswertes um 2,8 Prozent geeinigt. Das liegt deutlich unter den von ärztlicher Seite geforderten 7 Prozent – und könnte angesichts weiter steigender Kosten erneut von der Inflation vernichtet werden. Und es könnte noch enger werden, denn die Sparvorschläge des Bundesgesundheitsministeriums aus dem April 2026 sehen milliardenschwere Kürzungen im ambulanten Bereich vor. Konkret sollen unter anderem die TSVG-Vergütungsregelungen gestrichen, Hygienezuschläge abgeschafft und Pauschalen zur Förderung der fachärztlichen Grundversorgung aufgehoben werden.
Für HNO-Praxen, die über steigende Fallzahlen statt bessere Fallvergütung wachsen, ist das ein besorgniserregendes Signal. Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen: Der Druck ist in der Praxisrealität längst angekommen – bevor das Sparpaket überhaupt greift.
Dass der Druck real ist, zeigen die bisherigen Ergebnisse. Aber unsere Befragung zeigt auch, was sich HNO-Praxen von ihrem Netzwerk wünschen.

Die Botschaft ist eindeutig: HNO-Praxen benötigen vor allem konkrete betriebswirtschaftliche Hilfe sowie Informationsangebote und eine starke Interessenvertretung.
Diesen Anspruch nehmen wir ernst. HNOnet versteht sich als Begleiter für genau diese Herausforderungen – nicht als Dienstleister, der fertige Lösungen überreicht, sondern als Netzwerk, in dem Praxen voneinander lernen und gemeinsam stärker werden. Ein Beispiel für eine konkrete Arbeitshilfe ist unser Wahlleistungskompendium, das HNO-spezifische Leistungen mit GOÄ-Ziffern, Preisempfehlungen und juristischen Rahmenbedingungen aufbereitet – von Allergologie über Otoneurologie bis Prävention. Das Wahlleistungskompendium steht HNOnet-Mitgliedern im Login-Bereich zum Download zur Verfügung. Nicht-Mitglieder können das Wahlleistungskompendium kostenpflichtig bestellen. Darüber hinaus widmen wir uns regelmäßig der betriebswirtschaftlichen und berufspolitischen Einordnung aktueller Entwicklungen. Außerdem möchten wir den kollegialen Austausch fördern, der dann entsteht, wenn Kolleg*innen offen über ihre Praxisrealität sprechen. Dabei sind wir jederzeit offen für Impulse aus dem Praxisalltag in der HNO.
Die Befragung bestätigt, was viele im Praxisalltag spüren: Die HNO-Medizin kann erfüllend sein, aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zehren an der Motivation. Die politischen Signale deuten derzeit nicht auf Entlastung hin – ganz im Gegenteil. Das GKV-Sparpaket droht die Schere zwischen Praxiskosten und Vergütung weiter zu öffnen.
Umso wichtiger ist es, als Facharztnetz zusammenzustehen – betriebswirtschaftlich klüger aufgestellt, politisch klar und im Austausch miteinander. Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen uns, wo wir als HNOnet ansetzen müssen. Deshalb engagieren wir uns weiter – für eine HNO-Praxis, die sich lohnt.

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