„Die Herausforderungen einer Niederlassung nicht allein angehen“ – Dr. Konstantin van Ackeren im Interview

Dr. Konstantin van Ackeren ist neu im Vorstand des HNOnet. Wie viele Kolleg*innen stand auch er vor der Entscheidung, sich in einer HNO-Praxis niederzulassen. Die eigene Praxis bietet Gestaltungsspielraum, bringt aber zugleich organisatorische und wirtschaftliche Verantwortung mit sich. Im Interview berichtet Dr. van Ackeren, wie er zum HNOnet gekommen ist und warum ein Netzwerk gerade für jüngere niedergelassene HNO-Ärzt*innen eine wichtige Unterstützung darstellen kann.
Herr Dr. van Ackeren, Sie sind neu im Vorstand des HNOnet. Wie sind Sie zum Netzwerk gekommen?
Zum HNOnet bin ich zunächst über meinen Praxispartner gekommen. Dr. Zander engagiert sich bereits seit Längerem. Mir wurde schnell klar, dass das HNOnet mehr ist als eine Interessensvertretung. Es ist ein Netzwerk von HNO-Kolleg*innen, die Erfahrungen teilen und gemeinsam nach praxistauglichen Lösungen suchen.
Gerade bei all den Herausforderungen, die aus dem momentanen gesundheitspolitischen Wandel resultieren braucht es Kolleg*innen, die sich gemeinsam für die Belange der ambulanten HNO-Versorgung einsetzen. Der Schritt in den Vorstand gibt mir die Möglichkeit, dazu selbst mehr beizutragen.
Was bedeutet die HNO-Niederlassung für Sie und warum kann ein Netzwerk dabei helfen?
Viele Kolleg*innen stehen vor einer Niederlassung vor ähnlichen Fragen: Welche Praxisstruktur ist zukunftsfähig? Wie lassen sich Mitarbeitende gewinnen und halten? Welche Investitionen in Digitalisierung und Ausstattung sind sinnvoll? Und wie können Beruf, Familie und die Anforderungen einer eigenen Praxis gut zusammenpassen?
Als niedergelassener Arzt erlebe ich unmittelbar, wie wichtig es ist, die medizinische Arbeit mit den wirtschaftlichen und organisatorischen Aufgaben zu verbinden. Das bietet die Möglichkeit, eigene Schwerpunkte zu setzen und die Versorgung der Patient*innen unmittelbar zu gestalten. Gleichzeitig bringt diese Rolle viel Verantwortung mit sich, auch Verantwortung für Mitarbeitende. Für mich war früh klar, dass ich in einer Gemeinschaftspraxis tätig sein möchte. Wir können uns im Alltag gegenseitig entlasten und eng austauschen, fachlich wie organisatorisch. Das heißt, als HNO-Ärzt*innen müssen wir die Herausforderungen einer Niederlassung nicht allein angehen.
Der Austausch mit Kolleg*innen mindert die Unsicherheiten, die mit der eigenen Niederlassung verbunden sein können. Wer bereits eine Praxis gegründet oder übernommen hat oder seit Jahrzehnten in einer Praxis tätig ist, hat wertvolle Erfahrungen gesammelt. In einem Netzwerk wie dem HNOnet können Kolleg*innen von diesen Erfahrungen profitieren. Das hilft uns dabei, bessere Entscheidungen zu treffen, Fehler zu vermeiden und unkompliziert die richtigen Ansprechpartner*innen für wirtschaftliche und organisatorische Fragen zu finden. Man muss nicht Teil einer Gemeinschaftspraxis sein, um in der Niederlassung unterstützt zu werden.
Wovon haben Sie als Mitglied des HNOnet bislang konkret profitieren können?
Das HNOnet ist für mich eine Plattform, über die ich schnell Zugang zu praxisrelevantem Wissen und zu den Erfahrungen anderer niedergelassener Kolleg*innen bekomme. Dabei geht es nicht nur um fachliche Inhalte. Eine große Rolle spielen auch Themen wie Praxisorganisation, Qualitätsmanagement, Digitalisierung, Datenschutz, Abrechnung und die wirtschaftliche Planung. Das HNOnet bündelt also nicht nur Interessen. Im kollegialen Austausch entwickeln wir Lösungen, die im Praxisalltag tatsächlich nutzbar sind.
Welche Herausforderungen sehen Sie derzeit für die ambulante HNO-Versorgung?
Unsere zentrale Aufgabe ist und bleibt, die qualitativ hochwertige Versorgung unserer Patient*innen zu sichern. Die Nachfrage nach spezialisierten HNO-Leistungen ist hoch. Gleichzeitig müssen Praxen mit mehr Bürokratie, steigenden Kosten und schwierigen Vergütungsbedingungen umgehen.
Der Umbruch im Gesundheitswesen bietet aber auch Chancen. Mit modernen diagnostischen Möglichkeiten und transparent kommunizierten, individuell zu zahlenden Leistungen können wir Patient*innen bei medizinisch sinnvollen Fragestellungen noch besser unterstützen. Beispielsweise bei länger anhaltenden Schwindelbeschwerden kann es helfen, wenn eine differenzierte Diagnostik und ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept angeboten werden. Entscheidend ist, diese neuen Möglichkeiten verantwortungsvoll zu nutzen. Gerade die medizinische Indikation, die verständliche Aufklärung und die Transparenz der Kosten müssen wir im Blick behalten.
Was ist Ihnen für Ihre Arbeit im Vorstand wichtig?
Das HNOnet arbeitet nah an den tatsächlichen Bedürfnissen der HNO-Praxen. Das ist mir auch für die Zukunft wichtig: Mitglieder sollen im Alltag einen konkreten Nutzen erleben – durch fachlichen Austausch, Unterstützung bei der Praxisentwicklung und eine gemeinsame Interessensvertretung.
Besonders betonen will ich die Themen Praxisgründung, Praxisübernahme und Praxisnachfolge. Wir brauchen umsetzbare Lösungen für die Digitalisierung und einen Ausbau der Fortbildungsangebote. Auch Orientierung für die rechtssichere und transparente Abrechnung von individuell zu zahlenden Leistungen halte ich für relevant.
Vor allem jüngeren Kolleg*innen will ich vermitteln, dass die Niederlassung trotz aller Herausforderungen ein sehr attraktives Arbeitsumfeld sein kann – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dafür brauchen wir klare Informationen, konkrete Unterstützung und den Austausch mit Kolleg*innen. Gerade deshalb halte ich das HNOnet für so wertvoll.
